Trend aus den 1990er

Tamagotchi

1997–1998
Eiförmiges Digital-Haustier mit Pixel-Bildschirm liegt auf einem Schultisch neben Federmäppchen und Heft

Es piepte. Mitten im Diktat, mitten in der Nacht. Dein Pixelwesen hatte Hunger – willkommen in 1997, dem Jahr des Tamagotchi.

Ein Haustier im Ei-Format

Mitten im Gottesdienst, mitten im Unterricht: Irgendwo in deiner Hosentasche war ein kleines Wesen hungrig, schlecht gelaunt oder hatte – ähem – einen Haufen gemacht. Und du hast alles stehen und liegen lassen, um es zu retten.

Das Tamagotchi war ein eiförmiger Schlüsselanhänger mit winzigem Schwarz-Weiß-Display und drei Knöpfen. Aus einem Ei schlüpfte ein Wesen, das du:

  • füttern,
  • mit Minispielen bei Laune halten,
  • sauber machen
  • und ins Bett schicken musstest.

Je nachdem, wie gut du dich gekümmert hast, entwickelte es sich zu einer anderen Figur. Und wenn du es vernachlässigt hast? Dann war es irgendwann weg – je nach Version flog es als Engelchen davon oder ein Grabstein erschien. Brutal ehrlich für ein Kinderspielzeug.

Aus Japan auf jeden Schulhof

Entwickelt wurde das Tamagotchi vom japanischen Spielzeugriesen Bandai, der es Ende 1996 in Japan auf den Markt brachte. Dort war es sofort ausverkauft, Menschen standen Schlange.

Kurz darauf schwappte die Welle nach Europa, und 1997 war das Ei in Deutschland angekommen. Die Nachfrage war so groß, dass Läden ständig leer waren und schnell jede Menge Nachahmer auftauchten: Digi-Hunde, Digi-Katzen, Dinos – alles mit Pixeln und Piepton.

Warum jeder eins brauchte

Das Geniale: Es war kein Spiel, das man ausschaltet. Es lief weiter, ob du wolltest oder nicht. Das machte es zu einem echten Verantwortungsding – und genau das fanden alle spannend.

Auf dem Schulhof wurde verglichen, wessen Tamagotchi am ältesten war, wer welche Figur gezüchtet hatte und wem es schon wieder gestorben war.

Weißt du noch?

  • Oma oder Mama musste tagsüber „babysitten“, weil das Ding in der Schule verboten war.
  • Mit einer Büroklammer hast du den Reset-Knopf auf der Rückseite gedrückt, um neu anzufangen.
  • Die Pause-Funktion war Gold wert – und trotzdem hat sie jeder vergessen.

Der Höhepunkt und das große Verbot

Auf dem Höhepunkt des Hypes reagierten viele Schulen mit Verboten, weil das Gepiepse den Unterricht sprengte.

In den Medien wurde ernsthaft diskutiert, ob Kinder echte Trauer empfinden, wenn ihr virtuelles Haustier stirbt. Klingt absurd, aber wer damals dabei war, weiß: Der Verlust war real.

Was aus dem Ei geworden ist

Ab 1998 flaute der Hype ab, die nächste große Sache aus Japan stand schon vor der Tür: Pokémon – Jahre später sogar als Pokémon Go auf dem Handy.

Ganz verschwunden ist das Tamagotchi aber nie. Bandai hat es immer wieder neu aufgelegt: mit Farbdisplay, Infrarot zum Verbinden mit Freunden und Neuauflagen des Originals für alle Nostalgiker. Heute hängt es eher an den Schlüsseln von Erwachsenen, die beweisen wollen, dass sie es diesmal länger als eine Woche am Leben halten.

Ein paar Jahre später übernahm übrigens der Furby den Job als nerviges Elektro-Haustier – nur mit Fell und noch lauter.

Häufige Fragen zu Tamagotchi

Wann war das Tamagotchi angesagt?

In Japan kam das Tamagotchi Ende 1996 auf den Markt, in Deutschland erreichte der Hype 1997 seinen Höhepunkt und ebbte bis etwa 1998 wieder ab.

Gibt es Tamagotchis heute noch?

Ja. Bandai hat das Tamagotchi nie ganz aufgegeben und bringt regelmäßig Neuauflagen der Originale sowie moderne Versionen mit Farbdisplay heraus.

Was bedeutet der Name Tamagotchi?

Der Name verbindet das japanische Wort „Tamago“ (Ei) mit dem englischen „Watch“ (Uhr). Gemeint ist also eine Art Ei-Uhr mit Haustier drin.

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