Spruch aus den 2000er

Krass

2005–2012
Jugendlicher schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und starrt fassungslos auf einen riesigen Pfannkuchenturm

Bedeutung

Extrem, heftig – je nach Tonfall großartig oder schlimm.

  • „Ich hab die Mathearbeit zurück. Eine Eins.“ – „Krass.“ – „Und Jonas hat eine Sechs.“ – „Krass.“
  • „Oma, ich hab meinen ersten Job!“ – „Ach, wie krass!“ – „Oma, bitte sag das nie wieder.“
  • „Der Hausmeister hat heute gelächelt.“ – „Alter, wie krass ist das denn?“

Krass ist das Schweizer Taschenmesser der Jugendsprache: Ein Wort, tausend Bedeutungen – und alle passen.

Was „krass“ bedeutet

Im Kern heißt „krass“: extrem, heftig, über dem Normalmaß. Ob das gut oder schlecht ist, entscheidet allein der Tonfall:

  • Begeistert: „Krass, du hast Karten fürs Konzert?!“
  • Entsetzt: „Krass, der hat sich das Bein gebrochen.“
  • Gelangweilt-höflich: „Krass.“ (heißt: Ich habe nicht zugehört.)

Genau das macht das Wort so praktisch. Du musst nie überlegen, ob etwas toll oder schrecklich ist – „krass“ stimmt immer.

Woher kommt das Wort?

Die Wurzel ist erstaunlich vornehm: das lateinische „crassus“, also dick, grob, derb. Im Deutschen war „krass“ lange ein eher bildungsbürgerliches Wort – man kennt es aus Formulierungen wie „ein krasser Gegensatz“ oder „ein krasser Fehler“.

Die Jugendsprache hat das Wort dann gekapert und umgedreht. Spätestens seit den 1990ern und 2000ern ist „krass“ fester Schulhof-Wortschatz, geprägt auch durch Deutschrap und die Großstadt-Jugendsprache. Plötzlich konnte nicht mehr nur ein Fehler krass sein, sondern auch:

  • ein neues Paar Sneaker,
  • ein Fußballtor in der 90. Minute,
  • die Tatsache, dass es in der Mensa ausnahmsweise Pommes gibt.

Steigerungsformen für Fortgeschrittene

„Krass“ allein ist nur der Anfang. Echte Profis bauen aus:

  • „Voll krass“ – die Grundausstattung
  • „Krass krass“ – Verdoppelung für doppelte Fassungslosigkeit
  • „Wie krass ist das denn?“ – rhetorische Frage, keine Antwort erwartet
  • „Krasser Typ“ – Lob für jemanden, der etwas Beeindruckendes kann

Oft kommt es im Doppelpack mit einem „Alter!“ davor. Alter, krass ist quasi die Nationalhymne des Schulhofs der 2000er.

Wer sagt das heute?

Eigentlich alle. „Krass“ ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Jugendwort komplett in der Alltagssprache gelandet ist. Lehrkräfte sagen es, Eltern sagen es, sogar in Talkshows fällt es.

Das hat einen Nebeneffekt: Für Jugendliche ist es nicht mehr cool. Die greifen heute lieber zu „wild“, zu einem gedehnten „Sheesh“ oder ironischem „das crazy“. Aber verschwunden ist „krass“ nicht – es ist einfach erwachsen geworden.

Lebt „krass“ noch?

Und wie. Es ist wie die Jogginghose der Sprache: nicht mehr hip, aber zu bequem, um sie auszuziehen. Wer heute über 25 ist, wird „krass“ vermutlich bis zur Rente sagen.

Und ehrlich: Ein Wort, das gleichzeitig „Wow“, „Oh nein“ und „Aha“ bedeutet, ist einfach unschlagbar effizient. Krass eigentlich.

Sein älterer Kumpel auf dem Schulhof: „geil“ – für Eltern damals genauso ein Schock.

Häufige Fragen zu Krass

Was bedeutet „krass“?

„Krass“ heißt so viel wie extrem oder heftig. Ob das gut oder schlecht ist, verrät nur der Tonfall: „Krass!“ kann Begeisterung oder blankes Entsetzen sein.

Woher kommt das Wort „krass“?

Es stammt vom lateinischen „crassus“, das „dick“ oder „grob“ bedeutet. Im Deutschen hieß „krass“ lange „grob, extrem“, etwa im „krassen Gegensatz“. Die Jugendsprache machte daraus ein Allzweckwort.

Ist „krass“ noch Jugendsprache?

Eher Alltagssprache. „Krass“ sagen inzwischen Jugendliche, Eltern und Nachrichtensprecher – Jüngere greifen für das Gleiche gern zu „wild“ oder „das crazy“.

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